Das erste Konzert von David Garrett

Es ist das Konzertereignis auf See: Die Stars at Sea – Tour mit David Garrett auf der Queen Mary 2. Mit 2.600 Fans ist der legendäre Cunard-Oceanliner restlos ausverkauft. Der Blog direkt von Bord von Stars at Sea – Gründer UWE BAHN. Folge 3

Den Sonnenaufgang im Oslo-Fjord hat sich die Reederei Cunard richtig was kosten lassen. Der muss richtig teuer gewesen sein. Gelb-rot glühend taucht die Sonne hinter den kleinen Inselchen am Horizont auf und spiegelt sich im glatten Wasser. Die wenigen Wellen kommen von uns, der Queen Mary 2, die Kurs auf Norwegens Hauptstadt nimmt.

David Garrett: Showtime bis 0:30 Uhr

Ein paar Passagiere sind schon wach, flanieren auf den Außendecks an der Reling entlang. Eisig ist es und kurz nach halb acht. Ich treffe einige, die saßen vor wenigen Stunden noch im Royal Court Theatre. Bis null Uhr dreißig! So lange ging die erste Stars at Sea – Show von David Garrett und seiner Band.

Showtime Punkt 22 Uhr. Während das prall gefüllte Theater erwartungsvoll zur Bühne schaut, steht David vor dem Eingang und wandert auf und ab. Letzte Konzentration, immerhin die Premiere auf einem Schiff. Dann erklingen die ersten Töne seiner Geige und er spielt sich durch die Reihen seiner Fans hinauf auf die Bühne.

Die Fans sind raus aus dem Ohnmachtsalter

Zwischendurch vereinzelte weibliche Schreie, die es den 60igern bei den Beatles, in den 70igern bei den Bay City Rollers gab. Und jetzt bei David Garrett gibt. Zum Glück sind sie alle aus dem Ohnmachtsalter raus.

Cross Over ist das Programm von David. Rock-Klassiker wie „Kashmir“ und „Born in the USA“. Oder „Viva la vida“ von Coldplay. Bei „You’re the Inspiration“ scheint seine Geige zu weinen.

So schnell – die Beats per minute werden seekrank 

Neben mir steht Anja Tabarelli, die Cunard-Chefin aus Deutschland. Mit feuchten Augen. Es kann sich nur um Sekunden handeln, bis sie einen Teddybär mit ihrer Privatnummer auf die Bühne wirft. Sie hat ein Riesen-Herz und selbst einen Teddybären verdient. Ohne Anja und ihr Team wären wir nicht hier mit Stars at Sea auf der Queen Mary 2. Nicht zweimal mit Peter Maffay und nicht jetzt das erste Mal mit David Garrett.

Der greift und streicht ein Tempo auf seiner Geige, dass die Beats per Minute seekrank werden. Das ist nicht nur hohe Musikkunst, das ist Hochleistungssport. Zwischendurch immer wieder Lockerungsübungen mit seinen Fingern, von denen er dreißig zu haben scheint.

28 Songs spielen David und seine Band – mit „One Moment in time“ endet sein erstes Konzert auf einem Kreuzfahrtschiff. Intimer (Liebe Fans, jetzt nicht gleich wieder wuschig werden…) geht es wirklich nicht. Bei einem Konzert auf dem Festland, fahrt ihr danach mit dem PKW nach Hause.

Stars at Sea – einzigartige Erlebnisse

Bei Stars at Sea wisst ihr: Vier, fünf Tage verbringt ihr euren Urlaub mit David Garrett (oder Peter Maffay). Ihr seht ihn am nächsten Tag schon wieder. In der Talkshow, vielleicht beim Essen, auf jeden Fall bei der Autogrammstunde. Die beginnt jetzt gleich. Dafür nimmt sich David zwei Stunden Zeit. Zwei Stunden non stop mit dem Edding in der Hand und danach das zweite Konzert. Danke, David! Wir wissen das sehr zu schätzen.

Die Stars at Sea-Cruises sollen für euch alle (für uns auch) ein einzigartiges Erlebnis sein. Eines, dass ihr nie mehr vergesst. Erzählt es bitte weiter, wenn es euch gefällt. Morgen mehr. Ich muss kurz checken, ob der Edding funktioniert…

David Garrett hat die Kabinennummer…

Es ist das Konzertereignis auf See: Die Stars at Sea – Tour mit David Garrett auf der Queen Mary 2. Mit 2.600 Fans ist der legendäre Cunard-Oceanliner restlos ausverkauft. Der Blog direkt von Bord von Stars at Sea – Gründer UWE BAHN. Folge 2

Der erste Abend an Bord ist ruhig. Vor allem die See. Die Queen Mary 2 liegt stabil wie ein Brett. Es dauert ja, bis 2.600 Passagiere ihre Koffer ausgepackt haben, die Mehrheit von ihnen war noch nie auf einer Kreuzfahrt. Der Grund, warum sie hier sind, hat auch seine Suite bezogen. Und zwar hat er die Kabinennummer…Moment eben hatte ich doch den Zettel noch…

Family-Ausflug für David Garrett

Sollte ich ihn wiederfinden, könnte es allerdings mit der Ruhe bei dieser Stars at Sea – Tour für ihn vorbei sein. Diese Kreuzfahrt ist auch ein Family-Ausflug für David Garrett. Neben seiner Band sind auch Mutter und Schwester dabei.

Elena heißt die Schwester, ist selbst Musikerin, spielt Klavier und singt. Ironisch-intelligente Texte („Ich bin die Schwester von David Guetta“), anspruchsvoll, Jazz ist ihr Genre. Konzert-Kostproben am Abend im Queens Room. Die nächsten Tage spielt sie dann mit ganzer Band.

Das berühmte Bruderherz checkt derweil zum ersten Mal im Royal Court Theatre. Ich brauche nur drei Minuten zu lauschen, dann ist mir klar: David Garrett wird dermaßen abräumen bei seinen drei Konzerten im Schiffs-Theater.

Workshops mit seiner Band 

Bereits am Vormittag beginnt das volle Stars at sea Programm. Davids Musical Director Franck van der Heijden gibt einen Workshop im Theater. Sympathischer Typ. Er lässt die Fans ins Innenleben schauen, zeigt wie er mit einem Macbook die Songs von David arrangiert, ehe sie dann mit großen Orchester eingespielt werden. Spannend.

Genauso wie der nächste Workshop mit Davids Gitaristen Marcus Wolf. Der demonstriert auf einer Klampfe, wie er mit seiner „Trickkiste“, dem Pedal Bord, mit sich selbst spielen kann. Sparen wir einen weiteren Gitarristen. Und eine Kabine. Großartig!

Talkshow mit David Garrett

Dann begrüße ich um 14 Uhr ein rappelvolles Theater zu „Stars at Sea backstage“, der Talkshow. Anja Tabarelli, die Cunard-Chefin Deutschland und Klaus Kremer, der Küchenchef der Queen Mary 2 sind meine Gäste. Und, ja, er sitzt eine Stunde mit auf der Bühne: David Garrett!

Wir haben uns 2002 bei der Night of the Proms kennengelernt. Ich präsentiere die Show seit zwanzig Jahren und David war in dem Jahr der klassische Solist. Damals war er 22 Jahre. Und jeder spürte: Das ist ein Ausnahmetalent. Er erzählt unglaublich offen, wie das für ihn begann mit den großen Bühnen. Das Interview mit ihm gibt es in einem Extra-Blog.

Jeans on bei Stars at Sea

Ich muss jetzt schnell in die Bordbadewanne. Gleich ist Kapitäns-Empfang. Smoking müssen wir nicht anhaben, bei Stars at Sea gilt „Jeans on“. Aber sich hygienisch aufzubretzeln ist doch wichtig. Einmal die Queen Mary vom Bug bis Heck, das ist fast so lang wie eine Sportplatzrunde. Und einige Runden habe ich heute gedreht. Am Abend dann das erste Konzert von David. Im nächsten Blog alles darüber.

Nach dem Orkan: Willkommen an Bord!

Der Orkan hat einen Tag gestohlen. Nun sticht die restlos ausverkaufte Queen Mary 2 mit David Garrett für fünf Tage in See. Der Blog direkt von Bord von Stars at Sea – Gründer UWE BAHN. Folge 1

„Die Chancen stehen fünfzig/fünfzig, dass die Queen Mary 2 überhaupt reinkommt!“ Was erzählt Jan da am Telefon? Unser Produktionschef von Stars at Sea hat gerade die Info von höchster nautischer Stelle bekommen. Wenn der Orkan weiter so tobt, dann wird die Elbe gesperrt. Horror. Halloween ist doch erst am Dienstag.

Warteschleife vor Helgoland

Ich checke den Seewetterbericht. Heftig ist es draußen, bei zehn Meter hohen Wellen. Die Queen Mary 2 ist bereits vor Helgoland und beginnt Warteschleifen zu fahren. Am frühen Sonntag soll sie am Cruise Terminal in Hamburg Steinwerder festmachen.

Von dort wollen wir mit 2.600 Passagieren und David Garrett an Bord zur Stars at Sea – Tour nach Stavanger, Oslo und zurück. Geplanter Check in: ab 12 Uhr. Restlos ausverkauft ist auch unsere dritte Stars at Sea nach den ersten beiden Cruises mit Peter Maffay. Locker fünf Stunden werden wir brauchen, um das ganze Equipment an Bord zu hieven. Doch wann?

Orkan: Die Elbe wird gesperrt

Dann wird es Gewissheit: Die Elbe wird gesperrt, die Queen Mary muss draußen bleiben in der Deutschen Bucht. Jetzt müssen wir ganz schnell 2.600 Passagiere informieren, die alle gerade ihre Koffer packen, schon auf dem Weg oder sogar schon in Hamburg sind.

Bei der Reederei Cunard geht gerade der Punk um: Sie haben keinen Zugang mehr zu ihrem Büro, denn in Hamburg tobt jetzt die Sturmflut. Teile der Hamburger Hafencity stehen unter Wasser, auch die Cunard Zentrale. Und wir müssen die Fans erreichen! Wie auch immer. Per e-mail, Telefon, Facebook. Über alle Kanäle. Eigentlich geht nur Flaschenpost, denn auch der Hamburger Fischmarkt steht komplett unter Wasser.

David ist in seinem Hotel und blickt auf die Elbe. Standby. Dann die Info: Alles verschiebt sich um genau 24 Stunden. Der Ausfalltag Stavanger wird von der Reederei ersetzt und jeder Gast bekommt zusätzlich 100 US-Dollar Bordguthaben. Entschieden innerhalb von wenigen Minuten.

Cunard in Southampton und Hamburg, das ist wirklich phantastisch! Schnelle Hilfe, ohne Bürokratie. Great! Wir wissen, warum wir zum 3. Mal Stars at Sea auf der Queen Mary 2 machen. ThanXXL.

Sie ist da! David Garrett postet Queen Mary 2 – Video

Nicht jeder Passagier wird erreicht, aber David postet auf Facebook die Infos, Cunard und auch wir. Und die Leute helfen sich untereinander, Community in ihrem ursprünglichsten Sinne. Am späten Sonntag Abend stellt David ein selbstgedrehtes Smartphone-Video rein: Die Queen Mary 2 hat Hamburg erreicht. Endlich.

Willkommen an Bord!

Und nun liegt sie in Hamburg bei strahlendem Sonnerschein am Cruise Terminal. So, als wäre nichts gewesen. Ich habe das Gefühl, durch diesen Orkan sind wir schon eine so eingeschworene Gemeinschaft, bevor die Tour überhaupt begonnen hat. Es wird eine ganz besondere Reise. Willkommen an Bord!

Full Metal Cruise – Captain im Pool

Um vier Uhr morgens haben wir Málaga erreicht. Einige verfolgen die Einfahrt. Die Zeit passt zur ihrem Bord-Biorhythmus. Sie sind nicht schon, sondern noch wach. Zwei Tage liegt „Mein Schiff 2“ in der Stadt, in der Pablo Picasso geboren wurde.

Pablo, die männlich Sexpuppe

Unter den Metalheads gibt es  auch einen „Pablo“. Er trägt Hut, Sonnenbrille und ein Full Metal Cruise-Shirt. Sonst nichts.  Pablo ist eine männliche Sexpuppe, die Sonja mitgebracht und mit viel Liebe aufgeblasen hat. Wenn Pablo im Pool schwimmt, ist er völlig nackt und sichtbar erregt. Dann sind auch Pablos Brusthaare zu sehen, die Sonja akribisch mit dem Edding aufgemalt hat. Kreativ-Kreuzfahrt.

Ein anderes Beispiel: Einer hat den schwarzen Dresscode gebrochen und läuft als Horst Schlämmer mit Schnappatmung über die Decks. Und im Treppenhaus reitet ein Metalhead auf einem Staubsauger. Den hat er sich bei der Besatzung geliehen, um die Schnipsel aufzusaugen, die sein Kabinen-Kollege mit der Konfetti-Kanone in die Luft schießt. Wirklich nüchtern sind beide nicht. Ich sehe ihn ein paar Stunden später wieder. Eingeschlafen im Fahrstuhl mit seinem Staubsauger im Arm.

Mittelalter-Metal mit „In Extremo“

Achja Musik gibt es auch. Das Theater kocht über beim ersten Konzert von „In Extremo“ und feiert die Berliner Band mit ihrem „Mittelalter-Metal“.  Mittelalt sind auch die meisten Metalheads auf dieser Tour. Schon etwas in die Jahre gekommen die britischen Rocklegenden von Saxon. Drei Songs halte ich aus – dann muss ich raus aus dem Theater. Die Band spielt eindeutig zu laut. „Da bluten Dir die Ohren!“ Mein Nebenmann bringt es auf den Punkt.

Der letzte Seetag. Und die Zeremonie, die alles über die Full Metal Cruise ausdrückt. Auf dem Pooldeck wird die Crew geehrt. Barkeeper, Housekeeping, Food & Beverage werden gefeiert wie Popstars. Sie und die Metalheads verstehen sich prächtig, respektieren sich gegenseitig. Das ist auf anderen Kreuzfahrten nicht unbedingt so, wenn die Fraktion der Nörgel-Deutschen an Bord ist.

Kapitän mit Pommesgabel im Pool

Zweitausend Passagiere grölen „In den Pool!“ Kapitän Omar Caruna schießt ins Wasser und reckt strahlend die beiden Hände zum Metalgruss („Pommesgabel“) in die Höhe.  Sechs Tage Full Metal Cruise gehen zu Ende. Es war vor allem eines: A lot of fun. Am Pool entdecke ich Pablo, der eindeutig schwächelt: Bei ihm ist die Luft raus.

ENDE

Full Metal Cruise – Poolposition

Seetag auf der Full Metal Cruise. Es ist zehn Uhr morgens, also quasi nachts. Dennoch hat sich zu dieser nächtlichen Stunde vor dem Atelier auf Deck 6 eine lange Schlange gebildet. Ausgabe der Frühstücksbiere? Nein, hier ist der Merchandising-Stand für die Metal-Mitbringsel.

Vom T-Shirt bist zum Metal-Qietsche-Entchen gibt es alles. Bademäntel, sogar Fischerhemden und Fischermützen. Und selbstverständlich eine Kapitänsmütze. Natürlich alles mit „Full Metal Cruise“ gebrandet. Damit zuhause alle sehen können: Ich war dabei, gehörte zu den 2.000 Glücklichen. Innerhalb einer halben Stunde war die Kreuzfahrt ausverkauft.

Fun-Metal mit Knorkator

Um 13 Uhr ist Showtime mit Knorkator. Die Fun-Metaller aus Berlin nahmen im Jahr 2000 sogar beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teil. Titel des Songs „Ick wer zun Schwein“. „Sänger“ Stumpen grunzte sich immerhin in die Schlagzeilen der BILD. Die einzige Tattoo-freie Zone seines nackten Körpers ist durch einen roten Träger-Tanga bedeckt. Der Rest seiner Haut ist tapeziert.

Martin Semmelrogge liest Lemmy

Im stets mit Metalheads eng gefüllten Whirlpool kreisen längst die Becks-Dosen. Poolposition. Im Schwimmbecken planschen andere mit aufgeblasenen Plastikgitarren. Es muss ja nicht immer Luftgitarre sein. Zum Beispiel auch Literatur. Der Mann dafür ist Schauspieler Martin Semmelrogge. Keiner passt besser um den biographischen Nachlass von Motorhead-Legende Lemmy Kilmister vorzutragen. Semmelrogge ist die perfekte Symbiose aus Lallen und Lesen. Auch wenn er sich selbst trockengelegt hat – seine Zunge hat noch den Bewegungsablauf aus härteren Tagen. Dazu klampft Metal-Solist „Mutz“ auf der Akustik-Gitarre ein paar irische Volksweisen. Die TUI-Bar johlt.

Noch lauter johlt es draußen an der Reling. Auf dem Außendeck treffen sie sich zu einem sportlichen Wettkampf: Shuffleboard. Das beliebte Plankenspiel auf Kreuzfahrtschiffen haben nun also auch die Metalheads entdeckt. Skurril sehen sie aus in ihren schwarzen „Trainingsanzügen“.

Wir können Gibraltar knicken

Draußen türmt sich die See immer mehr auf. In wenigen Minuten wird der Kapitän bekanntgeben, dass wir Gibraltar knicken können. Da tobt ein heftiger Sturm, den wir langsam erahnen können. Die ersten werden grün im Gesicht. Ich belausche den Dialog zweier Metaller. „Du musst heute ins Theater zu John Diva & the Rockets of Love gehen!“ „Mir ist schlecht. Ich gehe zu Villeroy & Boch.“ Keramik-Kreuzfahrt. Wir werden schon in der Nacht Kurs auf Málaga nehmen.

Full Metal Cruise – hart aber herzlich

Stars at Sea – Produzent Uwe Bahn ist mit auf der Full Metal Cruise V im Mittelmeer. Von Mallorca aus ist er mit 2000 Metalheads in See gestochen. Hier sein Blog von Bord, Folge 1.

„Give me five!“ Zweitausend Metall-Matrosen begrüßen sich hart aber herzlich. Kreuzfahrt-Klassentreffen. Five, weil die Tour eben genau fünf Nächte dauert. Wobei Nächte letztlich nur ein Vorschlag sind. Five vor allem, weil es die Full Metal Cruise V ist. Der „harte“ Kern ist auch zum fünften Mal dabei. Ich immerhin zum zweiten Mal.

Der Dresscode ist schwarz wie die Nacht, die hier eben auch Tag sein könnte. Und wie 2015 startet die Full Metal Cruise ab Mallorca. Schließlich hat Jürgen Drews die Insel nicht für deutsche Touristen gepachtet. „Mein Schiff 2“ ist die „Hardware“ für die Tour. Die beiden ältesten Schiffe von TUI Cruises sind bereits seit Jahren eingerockt. Seit frühmorgens hat ein riesiger Kran Container an Bord gehievt. Gefüllt mit Light & Sound, der bei der letzten Tour ausreichte, dass sich der Ballermann wegen Lärmbelästigung beschwerte. Gerade der.

Reichen 18.000 Liter Bier bis Málaga?

Nun steht alles: Die beiden großen Bühnen auf dem Pooldeck und im Theater. Dazu die Stages für die Metal-Kleinkunst in der „Schau Bar“ und der „TUI Bar“. Und überall werden Getränke gereicht. All inklusive. Könnte gut sein, dass TUI Cruises die Regelung in diesen Tagen wieder einmal bereut. 18.000 Liter Bier sind bis Malaga kalkuliert. Das sind neun Liter pro Passagier für vier Tage. Könnte knapp werden. Ich halte mich ein wenig zurück, damit es hier keine Engpässe gibt.

Mambo Kurt kennt keine Schmerzgrenze

Punkt 22 Uhr legt die Full Metal Cruise in Palma de Mallorca ab, Gibraltar und der Nachschubhafen Malaga sind die nächsten Stationen. Dazu zwei Seetage. Wir haben uns alle auf dem Pooldeck versammelt, denn traditionell eröffnet Mambo Kurt auf seiner Heimorgel diese Seefahrten: „Hardrock goes Hammond“. Er orgelt von Rammstein bis Slayer so ziemlich alles. Schmerzgrenzen kennt Mambo Kurt nicht, er ist gelernter Arzt. Mit der Performance würde er jede Silberhochzeit sprengen. Hier tanzen die Metalheads Polonaise dazu. Nein, sie sind nicht taub. Mambo Kurt ist Kult. Wer das musikalisch zu ernst nimmt, ist eh auf dem falschen Schiff. Ich finde es lustig.

So düster der Dress, so feucht-fröhlich ist die Gemeinde – Gewalt war nie ein Thema an Bord. Wie in Wacken auch nicht. Sie erziehen – und regulieren sich selbst. In diesen Zeiten ein Zeichen. Die Konzerte von „Powerwolf“ und „Knorkator“ schenke ich mir am ersten Abend. Es gilt die Kräfte einzuteilen und die Lebenserwartung nicht unnötig zu senken.

Rockblog-Folge 4: Udo Lindenberg Rockliner

Vier Jahre sind vergangen zwischen Rockliner 2 und Rockliner 3. Vier Jahre, in denen Udo Lindenberg dem Rock-Olymp ein gewaltiges Stück näher gekommen ist. Zwei große Hallentourneen, dazu mit MTV Unplugged das erfolgreichste Album seiner Karriere und nun rockt er zum ersten Mal die Stadien.

Udo im Jungbrunnen

Die zweite Show auf dem Rockliner, das ist das Beste, was wir je von ihm gesehen haben. Wieder fast drei Stunden rockt er das Schiff zusammen, tobt über die Bühne als hätte er nicht im Whirlpool, sondern im Jungbrunnen gesessen.

Stars at Sea Gewinner Christian Pabst aus Leer

„Ich habe ihn zuletzt vor 35 Jahren erlebt, der ist ja unfassbar gut“, sagt Christian Pabst (Foto), Lehrer aus Leer, also ein Leerer Lehrer. Er ist auf der Reise für seine Tochter eingesprungen, der akut alle vier Weisheitszähne gezogen werden mussten. Das tut besonders weh – hatte sie doch die Rockliner-Tour bei Stars at Sea gewonnen.

Verpasst hat sie leider auch die grandiose Aftershow-Band „The Midnight Ramble All Stars“. Carl Carlton und Konsorten rocken bis weit nach Mitternacht und Udo steigt mit ein: „Wild thing, you make my heart spring…!“ Oder so ähnlich.

Rockliner drei – wir waren dabei

Der letzte Tag, der letzte Hafen: Kopenhagen. Die Panik-Passagiere erholen sich vom Bordleben. Ob am „Nyhavn“ oder in der Ströget, Shopping-Straße der Stadt – überall treffen wir auf Udo Doppelgänger. Andere haben sich T-Shirts selbst bedruckt „Rockliner 3 – wir waren dabei.“

© Tine Acke 5E7A2665

Der letzte Abend mit dem furiosen Finale: Alina, Frontfrau von Frida Gold, entert die Bühne – Udo inspiriert eben auch die jungen Popstars. Das Happening im Theater wird zum Wunschkonzert: Alle Fans, die eine Klampfe mithaben, jammen bis die Finger Hornhaut haben. Basisdemokratischer Rock. Der härteste Kern erlebt kurz vor Kiel den Sonnenaufgang. Das hat selbst Udo nicht geschafft. Der muss diese Seefahrt erstmal verarbeiten und hat den ultimativen Landgang vor sich: Am 7. Juni in Düsseldorf gibt er das größte Konzert seines Lebens. Die erste von vier Stadion-Shows! Dann sind garantiert alle Rockliner-Bootsmänner wieder dabei. Auch ich. Ende.

Text: Uwe Bahn
Fotos: Tine Acke

Rockblog-Folge 3: Udo Lindenberg Rockliner

Hinter dem Horizont ging’s wirklich weiter – ein neuer Tag. Wir sind in Oslo. Das ist so etwas wie die zweite Heimat von Stars at Sea. Hier waren wir mit der Queen Mary 2 und Peter Maffay, hier parkte auch Rockliner 2 ein. Und nun sind wir wieder hier und begrüßen die Einwohner per Handschlag.

Oslo – da fliegt der Hut weg

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist das Stetson Hutgeschäft, 40 Geh-Sekunden vom Hafen entfernt. Hier deckt sich Udo in der Regel mit den passenden Kopfbedeckungen ein. Sightseeing-Pflichtstation. Die Holmenkollen-Sprungschanze ist eher ungeeignet. Da fliegt einem der Hut weg.

Udo Doppelgänger

Und Hüte gibt’s an Bord genug. Nicht nur das Original. Es sind Dutzende Doppelgänger an Deck. Viele von ihnen waren gestern Abend im Theater zur ersten der beiden Udo-Shows. Zweieinhalb Stunden tobt der Mann nonstop über die Bühne! Ein paar Balladen zum Nachdenken (und Ausruhen), sonst nur Brett. Heißt ja Rockliner und nicht Softliner. „Johnny Controletti“, „Bodo Ballermann“, „Der Greis ist heiß“. Keine Spur von „Betreutes Rocken“.

 

Die Konzerte auf den ersten beiden Rocklinern waren schon grandios. Aber das jetzt sind die Rocky Mountains! Wir ahnen, was da ab 7. Juni in den Stadien abgeht. Unser Favorit: „Gerhard Gösebrecht“ in einer sehr coolen Unplugged Version. Galaktisch! Bei „Honky Tonky Show“ liegen sie alle flach auf der Bühne, inklusive Panik-Kapitän, der sich zwischendurch mit alkoholfreiem Hefeweizen betankt. Und bedankt.

Richard Vogel TUI Cruises

Das tun wir an dieser Stelle von Stars at Sea auch mal bei TUI Cruises und seinem Manitu Richard Vogel (auf dem Foto der links) . Er hat 2010 den Wahnsinn gewagt, mit dem ersten Rockliner. Und auch mit unseren Freunden aus Wacken, mit dem Full Metal Cruise. Volle Vision! Dafür kriegt die Reederei ganz neue „Kundschaft“ an Bord, die das Schiff beseelt. Und daraus eine Kreuzfahrt macht, die keiner so schnell vergisst.

Heute Abend die zweite Show. Danach plant Udo nicht ins Bett zu gehen. 23 Uhr – das wäre auch Mittagsschlaf…

Rockblog-Folge 2: Udo Lindenberg Rockliner

Kurz nach 19 Uhr heißt es „Leinen los“ am Kreuzfahrt-Terminal Grasbrook in Hamburg. Also genau dort, wo vor rund 600 Jahren der Seeräuber Klaus Störtebeker einen Hut kürzer gemacht wurde. Und nun gehen hier zweitausend Panik-Piraten auf Rock’n Roll Kaperfahrt. Dich gedrängt, wie bei der Essenausgabe auf einer Strafgaleere, stehen sie auf dem Sonnendeck.

© Tine Acke 5E7A2209 - Arbeitskopie 2

Dann steigt der Freibeuter mit seiner Cruise-Combo auf die Bühne: Udo Lindenberg und das Panik-Orchester! „Odyssee – keiner weiß, wohin die Reise geht!“ Da ist schon soviel Druck an Deck, als wolle er nicht nur seine Hits spielen, sondern auch Schiffe versenken. Steuerbord lassen wir die Elbphilharmonie links liegen. Falsch, rechts. Steuerbord ist rechts, backbord ist links. So als Info für alle Gangway-Greenhorns. Ja, Elbphilharmonie. Der Rockliner zeigt, dass Hochkultur nicht zwingend zig Millionen kosten muss.

Hier nuschelt Neptun persönlich

Udo und die Seefahrt, das passt perfekt zusammen. Der lebt das. Fast möchte man meinen, hier nuschelt Neptun persönlich. Und der hat heute längst noch nicht genug. Wir versuchen zwischendurch was zu essen. Die Sushi rocken leider gar nicht. Wenn ich nicht wüsste, dass wir auf See sind, hätte ich auf Lieferservice getippt. Egal – gegessen. Gibt ja genug Alternativen, wie das Steakhouse „Surf & Turf“ oder die Gourmet-Gaststätte „Richards“. Nehme mal an, das Ding ist nach Keith Richards benannt, schließlich sind wir auf dem Rockliner.

Wir haben es geahnt. Gegen 22 Uhr, also zu seinem Tagesanbruch, steigt Neptun wieder auf die Bühne. Dieses Mal in der Schau Bar auf Deck 7. Da rocken jeden Abend die Midnight Ramble All Stars, das ist die halbe Maffay-Band. Aber erstmal: Udo Unplugged. Also ohne Strom. Von wegen. Wir schippern auf der Elbe! Bis zur Mündung, dann Richtung Norden, wo die Sonne verstaubt.

© Tine Acke 5E7A2523

Udo spielt einen astreinen Akustik-Set, wie auf dem Erfolgsdoppelalbum. „Mein Ding“, „Reeperbahn“, sogar „Bodo Ballermann“ bringt er. Danach Udogrammstunde, Autogrammstunde mag er nicht. Es ist 23 Uhr. In Udos Biorhythmus heißt das: Mittag. Für uns heißt das: Langsam runterfahren, soll der Rockliner die Lebenserwartung nicht deutlich verkürzen.

Text: Uwe Bahn
Fotos: Tine Acke

Rockblog-Folge 1: Udo Lindenberg Rockliner

Stars at Sea, die zweite. Nach Peter Maffay nun mit dem „Star auf See“ schlechthin, dem Erfinder der rockigen Seefahrt. Wir stechen mit Udo Lindenberg in See. Stopppp! Das klingt immer wieder brutal. „In See stechen“. Als wenn er die See umbringen will. Umpflügen will er sie, und zwar gewaltig. Mit dem Rockliner 3. Die ersten beiden Rockies fuhren 2010, dann gab’s `ne Pause. Warum eigentlich? Weil Deutschlands Hausärzte das den 2000 Passagieren dringend geraten haben. Udo wäre durchgefahren. Okay, zwischendurch gab’s MTV Unplugged, Musical in Berlin und Tournee. Letztlich alles Landgänge. Die Seefahrt ist ein anderer Schnack.

Wandert Udo aus?

Fünf Tage schippern wir zusammen mit zweitausend Fans von Hamburg aus. Und weils hinterm Horizont weitergehen soll, fahren wir nach Oslo, Kopenhagen bis nach Kiel. Auf „Mein Schiff 2“, wie der Rockliner mit bürgerlichem Namen heißt. Schon beim Check-In im Hamburger Kreuzfahrtterminal ein Fan-Auflauf, als würde Udo auswandern. Canon, Nikon und Smartphone klicken und blitzen um die Wette. Nach 45 Minuten sind die SD-Karten voll und Udo ist an Bord. Kabine beziehen, Beine hoch, Kräfte sammeln. Davon hat er so viel wie nie. Kein Wunder. Jeden Tag schwimmt er seine Runden im Atlantic. Also im Hotel, nicht im Ozean. Die nächsten Tage lässt er schwimmen – TUI Cruises hat den passenden Kutter dazu. Für Euch gibt’s von Bord den täglichen Rockblog.

Gleich legen wir ab in der Hamburger Hafencity. Vorher noch die Rettungsübung. Udo mit Hut und Schwimmweste. Schon dafür sollte man sich eine Kamera kaufen. Oder guckt sich einfach die Fotos von Tine Acke an. Die fotografiert auch für uns diese Tage. Warum? Sie kann es.