Special Guests: Wingenfelder!

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Hamburg – Mit Fury in the Slaughterhouse („Time to wonder“) haben sie ein großes Stück deutscher Musikgeschichte geschrieben: Kai und Thorsten Wingenfelder (Foto v.r.n.l.). Seit fünf Jahren sind sie nun mit einer Band unterwegs, die deutsch singt und ihren Familiennamen trägt: „Wingenfelder“. Bei der Stars at Sea – Kreuzfahrt mit Peter Maffay auf der Queen Mary 2 sind sie die „Special Guests“ und geben drei Konzerte im Queens Room. Wir trafen die beiden Brüder bei der Schallwellen-Cruise auf „Mein Schiff“ zum Interview.

Was erwartet Ihr auf der Kreuzfahrt mit der Queen Mary 2?
Thorsten: Ich habe gehört, dass es bisschen gediegener ist, aber der Dresscode wurde aufgehoben, man darf Jeans tragen. Das kommt uns sehr entgegen…ich bin gespannt. Ich hab’ überhaupt keine Ahnung, was für ein Publikum das ist.
Kai: Ich weiß gar nicht, ob die Leute bei Peter Maffay alle so gediegen sind, weil er ist ja nun auch nicht der Gediegenste, hat auch noch eine große Portion Rocker dabei. Ich glaube, das wird sehr spannend, weil da treffen zwei Welten aufeinander. Ich mag’ ja diese alten englischen Geschichten alle sehr gerne.

Habt Ihr mit Peter Maffay Schnittmengen in der Vergangenheit?
Thorsten:  In der großen Fury in the Slaughterhouse-Dekade gab es die Schnittmengen gar nicht so. Witzigerweise mit Wingenfelder, jetzt wo wir auf deutsch singen. Es gibt viele Leute, die Songs von Peter Maffay, aber auch gleichzeitig von uns mögen. Als wir mit ihm zusammen gespielt haben auf einem Open-Air, haben wir gemerkt, dass es gut zusammengeht und wir uns musikalisch und manchmal auch inhaltlich berühren.


Man kommt sich ja sehr nahe auf so einer Kreuzfahrt…
Thorsten: Wenn Du so komprimiert bist auf dem Platz in der kurzen Zeit, ist es natürlich herrlich. Und ich erhoffe mir, dass es mit der Maffay-Bande Momente gibt, wo wir Erfahrungen austauschen können.

Was werdet Ihr an Bord tun, wenn Ihr nicht auf der Bühne steht?
Kai: Auf der Queen Mary spielen wir immer dann, wenn Peter auch spielt, das Konzert können wir uns also leider nicht angucken.
Thorsten: Ich würde gern mal in die Sauna gehen. Ich hab’ aber auch ein bisschen Büro zu tun, das klingt jetzt alles etwas bieder, aber so ist es halt auch manchmal. Weil wir ja mit Wingenfelder auch ein kleines, selbstständiges Unternehmen sind.
Kai: Jetzt ist ja auch gerade das neue Album „Retro“ erschienen und da sind wir mitten in der Promotion-Geschichte.

Wingenfelder Konzert

Wie ist das, wenn Euch Windstärke 7 auf der Bühne bewegt?
Kai: Das ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn man einen Schritt in die falsche Richtung macht, kommt man schon mal ins Stolpern und fühlt sich, als wäre man besoffen, ist es aber nicht. Wir haben ein Pflaster hinterm Ohr, das funktioniert sehr gut. Das ist einfach eine Sicherheitsmaßnahme. Ich habe keine Lust, dass mir bei rauer See auf der Bühne übel wird.
Thorsten: Ich war ja seekrank. Nach einer durchaus langen Nacht hat’s dann gerappelt und geruppelt. Dann habe ich die wilde Kapitänspille bekommen, die es nirgendwo hier gibt, sondern nur in Spanien… (lacht) und nach zwanzig Minuten war die Messe gelesen.

Fury in the Slaughterhouse englisch, jetzt Wingenfelder deutsch – wo fühlt Ihr wohler?
Thorsten: Es hat sich wahnsinnig viel geändert. Die Leute gehen mit den Texten ganz anders um, dass sie darauf Bezug nehmen, wenn sie nach dem Konzert zu uns kommen. Manchmal im englischen ist es nur ein Song, eine Melodie und ein Gefühl. Jetzt ist es ein ganz klarer Inhalt. Das ist auch auf deutsch nicht unbedingt leichter. Popmusik auf englisch ist irgendwie einfacher. Aber jetzt mit der Muttersprache ist es für mich unglaublich befriedigend, wenn man merkt, dass man mit seinen Worten, mit den Sätzen manchmal den Nerv einer ganzen Generation triffst. Das ist der große Gewinn.

Eure aktuelle Single „HeyCowboy“ ist eine Abrechnung mit jemanden, der Euch schwer enttäuscht hat.  Gibt es ihn wirklich?
Kai: Den gibt es wirklich. Der ist sowas ähnliches wie ein Freigänger…er wartet auf seinen Prozess glaube ich.

Gibt es nochmal ein Comeback von Fury in the Slaughterhouse?
Kai: Also wir haben ja immer gesagt, für einen guten Zweck oder für was Wildes würden wir immer wieder zusammenspielen. Ein Revival in Form einer Platte oder einer Tournee wird es nicht geben. Aber die Chance, dass die Band wie vor drei, vier Jahren mal wieder ein Klassentreffen macht, die ist relativ groß.
Thorsten: Aber das, wo unser Herzblut dran hängt, wo wir uns auch entwickeln und wo wir uns in unserem Alter jetzt wiederfinden, das ist ganz klar Wingenfelder.