Udo Lindenberg: Rockliner im Stadion!

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Die Seefahrt, das ist „unser Ding“. Für das Festland sind wir eigentlich nicht zuständig. Doch wenn einer unserer Stars at Sea – Künstler so einen „Landgang“ vor sich hat, wie Udo Lindenberg, dann müssen wir von Bord und dabei sein. Die erste Stadiontournee seines Lebens beginnt an diesem Wochenende bei brüllender Hitze in der ausverkauften Esprit-Arena in Düsseldorf. Es ist eine grandiose Show, die vielleicht größte eines deutschen Rockstars.

Rockliner im Stadion!

Stürmisch peitscht die See auf den riesigen LED-Leinwänden, ein Schiff kämpft sich durch die Wellentürme und schießt unter ohrenbetäubenden Getöse von hinten durch die Bühne: der Rockliner! Was für ein Start: „Odyssee, keiner weiß wohin die Reise geht!“ Fast drei Stunden rockt Udo für die 45.000 im Stadion.

Udo und Clueso

Und mit ihm der musikalische Freundeskreis, von Clueso („Cello“) bis Otto („Der Greis ist heiß“), die zusammen mit ihm die Bühne teilen. Auch Peter Maffay ist dabei, singt im Duett „Und sie brauchen keinen Führer“. Ein paar Längen im Mittelteil – sonst ist die Show absolut rund. „Nimm’ Dir das Leben“, „Ich lieb’ Dich überhaupt nicht mehr“ vor allem die Balladen wirken besonders im Stadion. Bei „Gerhard Gösebrecht“ fliegt ein Ufo durchs Rund, bei „Honky-Tonky Show“ hotten zwanzig Klein-Udos über die Bühne. Es ist der beste Lindenberg, der je auf einer Bühne stand. Und vermutlich auch der fitteste seit Jahren.

Trotzdem wird auf Facebook und Twitter ein „Shitstorm“ losgetreten. Was ist passiert: Udo ist drei Stunden zu spät aufgetreten, und die Fans mussten drei Stunden in der Affenhitze schwitzen. 18 Uhr stand auf der Karte um 21 Uhr ging es los. Um es kurz zu machen: Einfach blöde kommuniziert. Natürlich gibt es wie meistens ein Vorprogramm, dann Umbau, dann Showtime. Das hätten die Fans natürlich erfahren müssen. Nun lesen wir, Udo hätte sie verprellt, verärgert, verarscht.

Ship happens

Wir kennen ihn gut durch die drei Rockliner. Ganz ehrlich: Wir mussten ihn eher zurückhalten, nicht zu früh auf die Bühne zu steigen und nicht vier Stunden zu spielen. Selbst wenn wir „geschäftlich“ sprachen und ein Fan ein Autogramm wollte, dann unterbrach er: „Moment, Kundschaft!“ Das in Düsseldorf war einfach eine dumme Kommunikationspanne. Ship happens. Wenn einer die Fans nicht verärgern will, dann Udo. Der hat soviel Herzblut, soviel Leidenschaft, für den wird gerade mit 68 Jahren (!) ein Lebenstraum wahr. Und der wird doch nicht vorsätzlich sein Lebenswerk aufs Spiel setzen und die Fans absichtlich drei Stunden schmoren lassen. Dafür legen wir unseren Hut ins Feuer. Verzeiht ihm, er hatte den Kopf so voll vor der größten Show seines Lebens. Und die war wirklich grandios, Udo.

Fotos: Tine Acke