Nach dem Orkan: Willkommen an Bord!

Der Orkan hat einen Tag gestohlen. Nun sticht die restlos ausverkaufte Queen Mary 2 mit David Garrett für fünf Tage in See. Der Blog direkt von Bord von Stars at Sea – Gründer UWE BAHN. Folge 1

„Die Chancen stehen fünfzig/fünfzig, dass die Queen Mary 2 überhaupt reinkommt!“ Was erzählt Jan da am Telefon? Unser Produktionschef von Stars at Sea hat gerade die Info von höchster nautischer Stelle bekommen. Wenn der Orkan weiter so tobt, dann wird die Elbe gesperrt. Horror. Halloween ist doch erst am Dienstag.

Warteschleife vor Helgoland

Ich checke den Seewetterbericht. Heftig ist es draußen, bei zehn Meter hohen Wellen. Die Queen Mary 2 ist bereits vor Helgoland und beginnt Warteschleifen zu fahren. Am frühen Sonntag soll sie am Cruise Terminal in Hamburg Steinwerder festmachen.

Von dort wollen wir mit 2.600 Passagieren und David Garrett an Bord zur Stars at Sea – Tour nach Stavanger, Oslo und zurück. Geplanter Check in: ab 12 Uhr. Restlos ausverkauft ist auch unsere dritte Stars at Sea nach den ersten beiden Cruises mit Peter Maffay. Locker fünf Stunden werden wir brauchen, um das ganze Equipment an Bord zu hieven. Doch wann?

Orkan: Die Elbe wird gesperrt

Dann wird es Gewissheit: Die Elbe wird gesperrt, die Queen Mary muss draußen bleiben in der Deutschen Bucht. Jetzt müssen wir ganz schnell 2.600 Passagiere informieren, die alle gerade ihre Koffer packen, schon auf dem Weg oder sogar schon in Hamburg sind.

Bei der Reederei Cunard geht gerade der Punk um: Sie haben keinen Zugang mehr zu ihrem Büro, denn in Hamburg tobt jetzt die Sturmflut. Teile der Hamburger Hafencity stehen unter Wasser, auch die Cunard Zentrale. Und wir müssen die Fans erreichen! Wie auch immer. Per e-mail, Telefon, Facebook. Über alle Kanäle. Eigentlich geht nur Flaschenpost, denn auch der Hamburger Fischmarkt steht komplett unter Wasser.

David ist in seinem Hotel und blickt auf die Elbe. Standby. Dann die Info: Alles verschiebt sich um genau 24 Stunden. Der Ausfalltag Stavanger wird von der Reederei ersetzt und jeder Gast bekommt zusätzlich 100 US-Dollar Bordguthaben. Entschieden innerhalb von wenigen Minuten.

Cunard in Southampton und Hamburg, das ist wirklich phantastisch! Schnelle Hilfe, ohne Bürokratie. Great! Wir wissen, warum wir zum 3. Mal Stars at Sea auf der Queen Mary 2 machen. ThanXXL.

Sie ist da! David Garrett postet Queen Mary 2 – Video

Nicht jeder Passagier wird erreicht, aber David postet auf Facebook die Infos, Cunard und auch wir. Und die Leute helfen sich untereinander, Community in ihrem ursprünglichsten Sinne. Am späten Sonntag Abend stellt David ein selbstgedrehtes Smartphone-Video rein: Die Queen Mary 2 hat Hamburg erreicht. Endlich.

Willkommen an Bord!

Und nun liegt sie in Hamburg bei strahlendem Sonnerschein am Cruise Terminal. So, als wäre nichts gewesen. Ich habe das Gefühl, durch diesen Orkan sind wir schon eine so eingeschworene Gemeinschaft, bevor die Tour überhaupt begonnen hat. Es wird eine ganz besondere Reise. Willkommen an Bord!

Full Metal Cruise – Captain im Pool

Um vier Uhr morgens haben wir Málaga erreicht. Einige verfolgen die Einfahrt. Die Zeit passt zur ihrem Bord-Biorhythmus. Sie sind nicht schon, sondern noch wach. Zwei Tage liegt „Mein Schiff 2“ in der Stadt, in der Pablo Picasso geboren wurde.

Pablo, die männlich Sexpuppe

Unter den Metalheads gibt es  auch einen „Pablo“. Er trägt Hut, Sonnenbrille und ein Full Metal Cruise-Shirt. Sonst nichts.  Pablo ist eine männliche Sexpuppe, die Sonja mitgebracht und mit viel Liebe aufgeblasen hat. Wenn Pablo im Pool schwimmt, ist er völlig nackt und sichtbar erregt. Dann sind auch Pablos Brusthaare zu sehen, die Sonja akribisch mit dem Edding aufgemalt hat. Kreativ-Kreuzfahrt.

Ein anderes Beispiel: Einer hat den schwarzen Dresscode gebrochen und läuft als Horst Schlämmer mit Schnappatmung über die Decks. Und im Treppenhaus reitet ein Metalhead auf einem Staubsauger. Den hat er sich bei der Besatzung geliehen, um die Schnipsel aufzusaugen, die sein Kabinen-Kollege mit der Konfetti-Kanone in die Luft schießt. Wirklich nüchtern sind beide nicht. Ich sehe ihn ein paar Stunden später wieder. Eingeschlafen im Fahrstuhl mit seinem Staubsauger im Arm.

Mittelalter-Metal mit „In Extremo“

Achja Musik gibt es auch. Das Theater kocht über beim ersten Konzert von „In Extremo“ und feiert die Berliner Band mit ihrem „Mittelalter-Metal“.  Mittelalt sind auch die meisten Metalheads auf dieser Tour. Schon etwas in die Jahre gekommen die britischen Rocklegenden von Saxon. Drei Songs halte ich aus – dann muss ich raus aus dem Theater. Die Band spielt eindeutig zu laut. „Da bluten Dir die Ohren!“ Mein Nebenmann bringt es auf den Punkt.

Der letzte Seetag. Und die Zeremonie, die alles über die Full Metal Cruise ausdrückt. Auf dem Pooldeck wird die Crew geehrt. Barkeeper, Housekeeping, Food & Beverage werden gefeiert wie Popstars. Sie und die Metalheads verstehen sich prächtig, respektieren sich gegenseitig. Das ist auf anderen Kreuzfahrten nicht unbedingt so, wenn die Fraktion der Nörgel-Deutschen an Bord ist.

Kapitän mit Pommesgabel im Pool

Zweitausend Passagiere grölen „In den Pool!“ Kapitän Omar Caruna schießt ins Wasser und reckt strahlend die beiden Hände zum Metalgruss („Pommesgabel“) in die Höhe.  Sechs Tage Full Metal Cruise gehen zu Ende. Es war vor allem eines: A lot of fun. Am Pool entdecke ich Pablo, der eindeutig schwächelt: Bei ihm ist die Luft raus.

ENDE

Full Metal Cruise – Poolposition

Seetag auf der Full Metal Cruise. Es ist zehn Uhr morgens, also quasi nachts. Dennoch hat sich zu dieser nächtlichen Stunde vor dem Atelier auf Deck 6 eine lange Schlange gebildet. Ausgabe der Frühstücksbiere? Nein, hier ist der Merchandising-Stand für die Metal-Mitbringsel.

Vom T-Shirt bist zum Metal-Qietsche-Entchen gibt es alles. Bademäntel, sogar Fischerhemden und Fischermützen. Und selbstverständlich eine Kapitänsmütze. Natürlich alles mit „Full Metal Cruise“ gebrandet. Damit zuhause alle sehen können: Ich war dabei, gehörte zu den 2.000 Glücklichen. Innerhalb einer halben Stunde war die Kreuzfahrt ausverkauft.

Fun-Metal mit Knorkator

Um 13 Uhr ist Showtime mit Knorkator. Die Fun-Metaller aus Berlin nahmen im Jahr 2000 sogar beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teil. Titel des Songs „Ick wer zun Schwein“. „Sänger“ Stumpen grunzte sich immerhin in die Schlagzeilen der BILD. Die einzige Tattoo-freie Zone seines nackten Körpers ist durch einen roten Träger-Tanga bedeckt. Der Rest seiner Haut ist tapeziert.

Martin Semmelrogge liest Lemmy

Im stets mit Metalheads eng gefüllten Whirlpool kreisen längst die Becks-Dosen. Poolposition. Im Schwimmbecken planschen andere mit aufgeblasenen Plastikgitarren. Es muss ja nicht immer Luftgitarre sein. Zum Beispiel auch Literatur. Der Mann dafür ist Schauspieler Martin Semmelrogge. Keiner passt besser um den biographischen Nachlass von Motorhead-Legende Lemmy Kilmister vorzutragen. Semmelrogge ist die perfekte Symbiose aus Lallen und Lesen. Auch wenn er sich selbst trockengelegt hat – seine Zunge hat noch den Bewegungsablauf aus härteren Tagen. Dazu klampft Metal-Solist „Mutz“ auf der Akustik-Gitarre ein paar irische Volksweisen. Die TUI-Bar johlt.

Noch lauter johlt es draußen an der Reling. Auf dem Außendeck treffen sie sich zu einem sportlichen Wettkampf: Shuffleboard. Das beliebte Plankenspiel auf Kreuzfahrtschiffen haben nun also auch die Metalheads entdeckt. Skurril sehen sie aus in ihren schwarzen „Trainingsanzügen“.

Wir können Gibraltar knicken

Draußen türmt sich die See immer mehr auf. In wenigen Minuten wird der Kapitän bekanntgeben, dass wir Gibraltar knicken können. Da tobt ein heftiger Sturm, den wir langsam erahnen können. Die ersten werden grün im Gesicht. Ich belausche den Dialog zweier Metaller. „Du musst heute ins Theater zu John Diva & the Rockets of Love gehen!“ „Mir ist schlecht. Ich gehe zu Villeroy & Boch.“ Keramik-Kreuzfahrt. Wir werden schon in der Nacht Kurs auf Málaga nehmen.

Full Metal Cruise – hart aber herzlich

Stars at Sea – Produzent Uwe Bahn ist mit auf der Full Metal Cruise V im Mittelmeer. Von Mallorca aus ist er mit 2000 Metalheads in See gestochen. Hier sein Blog von Bord, Folge 1.

„Give me five!“ Zweitausend Metall-Matrosen begrüßen sich hart aber herzlich. Kreuzfahrt-Klassentreffen. Five, weil die Tour eben genau fünf Nächte dauert. Wobei Nächte letztlich nur ein Vorschlag sind. Five vor allem, weil es die Full Metal Cruise V ist. Der „harte“ Kern ist auch zum fünften Mal dabei. Ich immerhin zum zweiten Mal.

Der Dresscode ist schwarz wie die Nacht, die hier eben auch Tag sein könnte. Und wie 2015 startet die Full Metal Cruise ab Mallorca. Schließlich hat Jürgen Drews die Insel nicht für deutsche Touristen gepachtet. „Mein Schiff 2“ ist die „Hardware“ für die Tour. Die beiden ältesten Schiffe von TUI Cruises sind bereits seit Jahren eingerockt. Seit frühmorgens hat ein riesiger Kran Container an Bord gehievt. Gefüllt mit Light & Sound, der bei der letzten Tour ausreichte, dass sich der Ballermann wegen Lärmbelästigung beschwerte. Gerade der.

Reichen 18.000 Liter Bier bis Málaga?

Nun steht alles: Die beiden großen Bühnen auf dem Pooldeck und im Theater. Dazu die Stages für die Metal-Kleinkunst in der „Schau Bar“ und der „TUI Bar“. Und überall werden Getränke gereicht. All inklusive. Könnte gut sein, dass TUI Cruises die Regelung in diesen Tagen wieder einmal bereut. 18.000 Liter Bier sind bis Malaga kalkuliert. Das sind neun Liter pro Passagier für vier Tage. Könnte knapp werden. Ich halte mich ein wenig zurück, damit es hier keine Engpässe gibt.

Mambo Kurt kennt keine Schmerzgrenze

Punkt 22 Uhr legt die Full Metal Cruise in Palma de Mallorca ab, Gibraltar und der Nachschubhafen Malaga sind die nächsten Stationen. Dazu zwei Seetage. Wir haben uns alle auf dem Pooldeck versammelt, denn traditionell eröffnet Mambo Kurt auf seiner Heimorgel diese Seefahrten: „Hardrock goes Hammond“. Er orgelt von Rammstein bis Slayer so ziemlich alles. Schmerzgrenzen kennt Mambo Kurt nicht, er ist gelernter Arzt. Mit der Performance würde er jede Silberhochzeit sprengen. Hier tanzen die Metalheads Polonaise dazu. Nein, sie sind nicht taub. Mambo Kurt ist Kult. Wer das musikalisch zu ernst nimmt, ist eh auf dem falschen Schiff. Ich finde es lustig.

So düster der Dress, so feucht-fröhlich ist die Gemeinde – Gewalt war nie ein Thema an Bord. Wie in Wacken auch nicht. Sie erziehen – und regulieren sich selbst. In diesen Zeiten ein Zeichen. Die Konzerte von „Powerwolf“ und „Knorkator“ schenke ich mir am ersten Abend. Es gilt die Kräfte einzuteilen und die Lebenserwartung nicht unnötig zu senken.

Rockblog-Folge 4: Udo Lindenberg Rockliner

Vier Jahre sind vergangen zwischen Rockliner 2 und Rockliner 3. Vier Jahre, in denen Udo Lindenberg dem Rock-Olymp ein gewaltiges Stück näher gekommen ist. Zwei große Hallentourneen, dazu mit MTV Unplugged das erfolgreichste Album seiner Karriere und nun rockt er zum ersten Mal die Stadien.

Udo im Jungbrunnen

Die zweite Show auf dem Rockliner, das ist das Beste, was wir je von ihm gesehen haben. Wieder fast drei Stunden rockt er das Schiff zusammen, tobt über die Bühne als hätte er nicht im Whirlpool, sondern im Jungbrunnen gesessen.

Stars at Sea Gewinner Christian Pabst aus Leer

„Ich habe ihn zuletzt vor 35 Jahren erlebt, der ist ja unfassbar gut“, sagt Christian Pabst (Foto), Lehrer aus Leer, also ein Leerer Lehrer. Er ist auf der Reise für seine Tochter eingesprungen, der akut alle vier Weisheitszähne gezogen werden mussten. Das tut besonders weh – hatte sie doch die Rockliner-Tour bei Stars at Sea gewonnen.

Verpasst hat sie leider auch die grandiose Aftershow-Band „The Midnight Ramble All Stars“. Carl Carlton und Konsorten rocken bis weit nach Mitternacht und Udo steigt mit ein: „Wild thing, you make my heart spring…!“ Oder so ähnlich.

Rockliner drei – wir waren dabei

Der letzte Tag, der letzte Hafen: Kopenhagen. Die Panik-Passagiere erholen sich vom Bordleben. Ob am „Nyhavn“ oder in der Ströget, Shopping-Straße der Stadt – überall treffen wir auf Udo Doppelgänger. Andere haben sich T-Shirts selbst bedruckt „Rockliner 3 – wir waren dabei.“

© Tine Acke 5E7A2665

Der letzte Abend mit dem furiosen Finale: Alina, Frontfrau von Frida Gold, entert die Bühne – Udo inspiriert eben auch die jungen Popstars. Das Happening im Theater wird zum Wunschkonzert: Alle Fans, die eine Klampfe mithaben, jammen bis die Finger Hornhaut haben. Basisdemokratischer Rock. Der härteste Kern erlebt kurz vor Kiel den Sonnenaufgang. Das hat selbst Udo nicht geschafft. Der muss diese Seefahrt erstmal verarbeiten und hat den ultimativen Landgang vor sich: Am 7. Juni in Düsseldorf gibt er das größte Konzert seines Lebens. Die erste von vier Stadion-Shows! Dann sind garantiert alle Rockliner-Bootsmänner wieder dabei. Auch ich. Ende.

Text: Uwe Bahn
Fotos: Tine Acke

Rockblog-Folge 3: Udo Lindenberg Rockliner

Hinter dem Horizont ging’s wirklich weiter – ein neuer Tag. Wir sind in Oslo. Das ist so etwas wie die zweite Heimat von Stars at Sea. Hier waren wir mit der Queen Mary 2 und Peter Maffay, hier parkte auch Rockliner 2 ein. Und nun sind wir wieder hier und begrüßen die Einwohner per Handschlag.

Oslo – da fliegt der Hut weg

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist das Stetson Hutgeschäft, 40 Geh-Sekunden vom Hafen entfernt. Hier deckt sich Udo in der Regel mit den passenden Kopfbedeckungen ein. Sightseeing-Pflichtstation. Die Holmenkollen-Sprungschanze ist eher ungeeignet. Da fliegt einem der Hut weg.

Udo Doppelgänger

Und Hüte gibt’s an Bord genug. Nicht nur das Original. Es sind Dutzende Doppelgänger an Deck. Viele von ihnen waren gestern Abend im Theater zur ersten der beiden Udo-Shows. Zweieinhalb Stunden tobt der Mann nonstop über die Bühne! Ein paar Balladen zum Nachdenken (und Ausruhen), sonst nur Brett. Heißt ja Rockliner und nicht Softliner. „Johnny Controletti“, „Bodo Ballermann“, „Der Greis ist heiß“. Keine Spur von „Betreutes Rocken“.

 

Die Konzerte auf den ersten beiden Rocklinern waren schon grandios. Aber das jetzt sind die Rocky Mountains! Wir ahnen, was da ab 7. Juni in den Stadien abgeht. Unser Favorit: „Gerhard Gösebrecht“ in einer sehr coolen Unplugged Version. Galaktisch! Bei „Honky Tonky Show“ liegen sie alle flach auf der Bühne, inklusive Panik-Kapitän, der sich zwischendurch mit alkoholfreiem Hefeweizen betankt. Und bedankt.

Richard Vogel TUI Cruises

Das tun wir an dieser Stelle von Stars at Sea auch mal bei TUI Cruises und seinem Manitu Richard Vogel (auf dem Foto der links) . Er hat 2010 den Wahnsinn gewagt, mit dem ersten Rockliner. Und auch mit unseren Freunden aus Wacken, mit dem Full Metal Cruise. Volle Vision! Dafür kriegt die Reederei ganz neue „Kundschaft“ an Bord, die das Schiff beseelt. Und daraus eine Kreuzfahrt macht, die keiner so schnell vergisst.

Heute Abend die zweite Show. Danach plant Udo nicht ins Bett zu gehen. 23 Uhr – das wäre auch Mittagsschlaf…

Rockblog-Folge 2: Udo Lindenberg Rockliner

Kurz nach 19 Uhr heißt es „Leinen los“ am Kreuzfahrt-Terminal Grasbrook in Hamburg. Also genau dort, wo vor rund 600 Jahren der Seeräuber Klaus Störtebeker einen Hut kürzer gemacht wurde. Und nun gehen hier zweitausend Panik-Piraten auf Rock’n Roll Kaperfahrt. Dich gedrängt, wie bei der Essenausgabe auf einer Strafgaleere, stehen sie auf dem Sonnendeck.

© Tine Acke 5E7A2209 - Arbeitskopie 2

Dann steigt der Freibeuter mit seiner Cruise-Combo auf die Bühne: Udo Lindenberg und das Panik-Orchester! „Odyssee – keiner weiß, wohin die Reise geht!“ Da ist schon soviel Druck an Deck, als wolle er nicht nur seine Hits spielen, sondern auch Schiffe versenken. Steuerbord lassen wir die Elbphilharmonie links liegen. Falsch, rechts. Steuerbord ist rechts, backbord ist links. So als Info für alle Gangway-Greenhorns. Ja, Elbphilharmonie. Der Rockliner zeigt, dass Hochkultur nicht zwingend zig Millionen kosten muss.

Hier nuschelt Neptun persönlich

Udo und die Seefahrt, das passt perfekt zusammen. Der lebt das. Fast möchte man meinen, hier nuschelt Neptun persönlich. Und der hat heute längst noch nicht genug. Wir versuchen zwischendurch was zu essen. Die Sushi rocken leider gar nicht. Wenn ich nicht wüsste, dass wir auf See sind, hätte ich auf Lieferservice getippt. Egal – gegessen. Gibt ja genug Alternativen, wie das Steakhouse „Surf & Turf“ oder die Gourmet-Gaststätte „Richards“. Nehme mal an, das Ding ist nach Keith Richards benannt, schließlich sind wir auf dem Rockliner.

Wir haben es geahnt. Gegen 22 Uhr, also zu seinem Tagesanbruch, steigt Neptun wieder auf die Bühne. Dieses Mal in der Schau Bar auf Deck 7. Da rocken jeden Abend die Midnight Ramble All Stars, das ist die halbe Maffay-Band. Aber erstmal: Udo Unplugged. Also ohne Strom. Von wegen. Wir schippern auf der Elbe! Bis zur Mündung, dann Richtung Norden, wo die Sonne verstaubt.

© Tine Acke 5E7A2523

Udo spielt einen astreinen Akustik-Set, wie auf dem Erfolgsdoppelalbum. „Mein Ding“, „Reeperbahn“, sogar „Bodo Ballermann“ bringt er. Danach Udogrammstunde, Autogrammstunde mag er nicht. Es ist 23 Uhr. In Udos Biorhythmus heißt das: Mittag. Für uns heißt das: Langsam runterfahren, soll der Rockliner die Lebenserwartung nicht deutlich verkürzen.

Text: Uwe Bahn
Fotos: Tine Acke

Rockblog-Folge 1: Udo Lindenberg Rockliner

Stars at Sea, die zweite. Nach Peter Maffay nun mit dem „Star auf See“ schlechthin, dem Erfinder der rockigen Seefahrt. Wir stechen mit Udo Lindenberg in See. Stopppp! Das klingt immer wieder brutal. „In See stechen“. Als wenn er die See umbringen will. Umpflügen will er sie, und zwar gewaltig. Mit dem Rockliner 3. Die ersten beiden Rockies fuhren 2010, dann gab’s `ne Pause. Warum eigentlich? Weil Deutschlands Hausärzte das den 2000 Passagieren dringend geraten haben. Udo wäre durchgefahren. Okay, zwischendurch gab’s MTV Unplugged, Musical in Berlin und Tournee. Letztlich alles Landgänge. Die Seefahrt ist ein anderer Schnack.

Wandert Udo aus?

Fünf Tage schippern wir zusammen mit zweitausend Fans von Hamburg aus. Und weils hinterm Horizont weitergehen soll, fahren wir nach Oslo, Kopenhagen bis nach Kiel. Auf „Mein Schiff 2“, wie der Rockliner mit bürgerlichem Namen heißt. Schon beim Check-In im Hamburger Kreuzfahrtterminal ein Fan-Auflauf, als würde Udo auswandern. Canon, Nikon und Smartphone klicken und blitzen um die Wette. Nach 45 Minuten sind die SD-Karten voll und Udo ist an Bord. Kabine beziehen, Beine hoch, Kräfte sammeln. Davon hat er so viel wie nie. Kein Wunder. Jeden Tag schwimmt er seine Runden im Atlantic. Also im Hotel, nicht im Ozean. Die nächsten Tage lässt er schwimmen – TUI Cruises hat den passenden Kutter dazu. Für Euch gibt’s von Bord den täglichen Rockblog.

Gleich legen wir ab in der Hamburger Hafencity. Vorher noch die Rettungsübung. Udo mit Hut und Schwimmweste. Schon dafür sollte man sich eine Kamera kaufen. Oder guckt sich einfach die Fotos von Tine Acke an. Die fotografiert auch für uns diese Tage. Warum? Sie kann es.

 

4. Rockblog: Peter Maffay auf der QM 2

Heute das letzte Konzert im Royal Court Theatre. Wir haben uns entschlossen, eine Auktion zu machen. Der Erlös soll komplett an die Stiftung von Peter Maffay gehen. Kurze Besprechung mit der Reederei Cunard. Die kennen sich mit Auktionen an Bord aus, versteigen auf jeder „normalen“ Fahrt Bilder. Aber das hier wird keine Kunst- sondern eine Rock-Auktion. Peter hat 20 Doppel-CDs unterschrieben, wir stiften nochmal 20 x 2 Karten für die letzte Show heute Abend. Und sind gespannt, was wir mit den zwanzig „Paketen“ einnehmen.

Peter Maffay rockt die Queen Mary 2-  Das erste Konzert von Peter Maffay

Der Queens Room ist rappelvoll, als wir um 14.30 Uhr beginnen. Ich zeige die Tickets hoch, die CDs. 50 US-Dollar sind das Mindestgebot (auf der Queen Mary 2 gilt die amerikanische Währung). Von links bietet jemand 60, der nächste 100, eine Frau erhöht auf 500, hinten hebt jemand den Arm: „1.000!“ Bitte, was passiert hier??? Auf der Backbordseite wird auf 2.000 Dollar erhöht. Zum ersten, zum zweiten und zum….“ „3.000!“ Das Mikrofon in meiner Hand fängt leicht an zu zittern. Da hat ein Passagier 3.000 Dollar für zwei Tickets und eine Doppel-CD geboten!!! Das hatten wir uns als Ziel gesetzt für alle Karten. Er bekommt den Zuschlag. Als auch die nächsten drei Pakete für jeweils 3.000 Dollar versteigert werden, gehe ich schnell zu Anja von Cunard: „Ihr müsst Peter aus den Fernsehinterviews holen. Diese Auktion bekommt gerade ein Eigendynamik!!!“

Auktion im Queens Room

Wir sind bei über 15.000 US-Dollar, als Peter Maffay auf die Bühne kommt. Er ist bewegt, nicht nur weil wir draußen mittlerweile Windstärke 8 haben. Kinder, Rumänien, die Stiftung – das sind seine Anliegen, und die werden jetzt auf jeden Fall fünfstellig unterstützt! Er dankt den Fans, wird gleich – wie jeden Tag –  seinen Vortrag im Planetarium halten.

Peter Maffay rockt die Queen Mary 2-  Die Fans waren begeistert!

Es gibt ein paar Fans, die murren, dass er zu wenig Autogramme schreibt. Peter Maffay spielt jeden Abend über zwei Stunden seine Show. Fast genauso lange ist der Soundcheck und davor der tägliche Vortrag. Aber: Wir nehmen die Kritik ernst. Und die Anregungen: „Er kann doch vorher unterschreiben und jeder bekommt ein Autogramm auf die Kabine!“ Guter Vorschlag, wir werden das besprechen, denn Peter deutet an: „Ich möchte wieder auf diesem Schiff spielen!“ Am Ende der Auktion sind es über 30.000 US-Dollar, die wir der Stiftung geben können. Eine unglaubliche Summe. Dazu spendiert Harley Davidson einen hohen Betrag, und wir verkaufen eine Menge Stars at Sea – Poloshirts und Jacken. Auch ein großer Teil des Erlöses wird gespendet.

50.000 Dollar für die Stiftung

Mehr als 50.000 Dollar gehen nach Ende dieser Fahrt an die Peter Maffay – Stiftung. Grandios! Wir sind nicht nur deshalb happy, als wir am nächsten Morgen wieder in Hamburg eintreffen. Eine ausverkaufte Queen Mary 2 mit großartigen Künstlern und großartigen Passagieren. Mehr geht nicht für die Stars at Sea – Premiere. Auch wir werden diese, unsere erste Fahrt nicht vergessen. Ende

ThanXXL: Peter Maffay, seine Band, Laith Al-Deen, Rudolf Rock & die Schocker, die gesamte Crew der Queen Mary 2, Anja, Sandra, Tanja und David von Cunard, das gesamte Tutzing-Team von Peter Maffay mit Marie, Chrissie, Dieter, Bernie. Balou, Conny, Ingo, die vielen Presse- und TV-Teams. Und vor allem IHR, denn Ihr habt eingecheckt auf der ersten Stars at Sea – Tour und das erst möglich gemacht.

(Fotos: Stefan Hoyer/Public Address)

 

3. Rockblog: Peter Maffay auf der QM 2

Was für ein Wetter! So einen Novembertag hat Oslo wohl lange nicht erlebt. Schon morgens, als die Queen Mary 2 fast lautlos durch den Fjord gleitet, spielt die Sonne mit ihren Strahlen im Wasser. Es wird ein wolkenloser Tag. 2600 glückliche Passagiere machen sich auf in die Stadt. Wir fahren mit ein paar Musikern von Peter Maffays Band hinauf zur riesigen Ski-Sprungschanze auf dem Holmenkollen. Wer hier hinunterfährt, bei dem müssen schon ein paar Gene querliegen. Gestern lag hier noch Schnee in Norwegens Hauptstadt, es war nasskalt. Und nun kommen wir und erleben diesen Traumtag.

Indian Summer in Oslo

Peter Maffay nutzt die Chance, das Schiff fast für sich allein zu haben. Zeit für die Familie, die mit ihm reist. Schließich hat er am Nachmittag und Abend wieder volles Programm: Erst der tägliche Vortrag über seine Stiftung und seine Harley-Leidenschaft und dann das zweite Konzert im Royal Court Theatre. Uns werden für die Tickets schon 500 € geboten. Vielleicht sollten wir noch eine Ticket-Auktion machen für die Stiftung. Wir werden darüber reden.

Gitarrenworkshop Bertram Engel

Mittlerweile hat sich das Planetarium „ Illuminations“ rappelvoll gefüllt. Zwei aus Peter Maffays Band geben ihre Workshops. Es wird ein Highlight dieser Tour. Gitarrist Carl Carlton erklärt, wie die Klampfen überhaupt so funktionieren, dass die Stones oft in „Open G“-Tuning spielen. Dann greift er sich die Fender und spielt „Brown Sugar“ und die Fans jodeln. Das ist Musik-Unterricht!

Danach der Drum-Workshop mit Bertram Engel. Der zeigt, wie er einen „Klick“ im Ohr hat, um immer im Takt zu bleiben. Und demonstriert wie er „Sonne in der Nacht“ trommelt. Draußen zaubert eben diese Sonne einen Indian Summer, der wie gemalt aussieht. Auf der Queen Mary liegt das phantastische Licht des Abendrotes. Hunderte Fans halten dieses unglaubliche Bild fest. Um 17.30 Uhr ist Landgangsende und alle sind sie pünktlich zurück an Bord, denn es steht das zweite Konzert von Peter Maffay an. Und nun wird klar: Gestern hat er sich warmgespielt, jetzt wird das Royal Court Theatre zum Tollhaus.

Theater wird zum Tollhaus

Am Vortag waren es die Suitengäste, heute sitzen die Hardcore-Fans aus den Innen- und Außenkabinen in der Konzertarena des Schiffes. Das heißt, keiner sitzt auch nur eine Sekunde. Gefühlt doppelt so laut wie am Vortag wird mitgesungen und mitgeklatscht. Auch bei „Eiszeit“, das Peter Maffay nun doch spielt.

Peter Maffay Konzert nahNach einer halben Stunde Zugabe und weit nach Mitternacht ist Schluss. Nicht für die Band, denn die hat noch eine Jam-Session im Queens Room geplant. Dort stehen jeden Abend „Rudolf Rock & die Schocker“ auf der Bühne, eine legendäre Gruppe aus Hamburg. In der Disco „G 32“ legt Michael Spleth von SWR 3 auf, natürlich eine Menge Maffay-Musik.

Aber auch Songs von Udo Lindenberg. Der Panikcaptain ist immer irgendwie dabei. Mit seinen beiden ersten Rocklinern hat er Stars at Sea erst möglich gemacht. Rockliner 3 im Mai 2014, auch eine Stars at Sea – Produktion, ist bereits jetzt restlos ausverkauft. Dann steigen Carl Carlton & Co von der Maffay-Band zur Jam Session auf die Bühne des Queens Room. Hier wird sonst Tee serviert. Auf dieser Tour gibt’s eine andere Dosis: Rock! Wie lange es diese Nacht wird, wollen und können wir nicht beurteilen. Morgen ist der letzte Seetag.